Warum niemand den Brexit will …

Grafik_Brexit_Ja_NeinGroßbritanniens  Bürger stehen vor einer wichtigen Entscheidung. Im Juni 2016 werden sie an die Wahlurne treten. Ihr Votum kann weitreichende Konsequenzen haben. Sie entscheiden: Soll England in der EU bleiben oder nicht? Warum den Austritt eigentlich niemand will, erklärt Rainer Downar, EVP Central Europe bei Sage, in diesem Artikel.

Wir berufen uns dabei auf eine umfassende Studie der Bertelsmann-Stiftung. Sie hat im vergangen Jahr deutsche und britische Unternehmer dazu befragt, wie sie zum Brexit (Kunstwort aus „Britain“ und „Exit“, also „England“ und „Austritt“) stehen und welche Folgen ein Austritt haben würde.  Doch zunächst einmal ist die Botschaft beider Befragungsgruppen klar: Deutschland will, dass England in der EU bleibt (83%) und auch 87 Prozent  der englischen Manager wollen für die EU abstimmen.

Ein Brexit und seine Folgen

Rainer Downar, EVP Sage Central Europe, berichtet, wie er Stress vermeidet. Quelle: Sage

Rainer Downar, EVP Sage Central Europe, beleuchtet die Folgen eines Brexit. Quelle: Sage

Und ihre Gründe wiegen schwer. Denn beide Gruppen befürchten weitreichende Konsequenzen für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Insgesamt sehen 42 Prozent  der Befragten „negative“ bis „sehr negative“ Folgen auf England im Falle eines Austritts zukommen. Dabei sind englische Unternehmen besonders besorgt über die Auswirkungen auf das Beschäftigungsniveau (44 %).

Und auch Auswirkungen auf ihr eigenes Unternehmen sehen beide Befragungsgruppen. 36 Prozent rechnen mit negativen Folgen für ihr Geschäft in den nächsten drei Jahren. Dabei sind englische Unternehmen pessimistischer (44%) als deutsche (32%). Profitieren vom Brexit? Das können sich gerade einmal 19 Prozent  der englischen Unternehmer vorstellen und nur 10 Prozent der deutschen.

Wirtschaftlicher Rückzug aus England?

Interessanterweise fühlt sich gerade die IT-Branche vom Brexit bedroht. 41 Prozent der Entscheider aus diesem Bereich erwarten, dass ihre Kapazitäten zurückgehen. Insgesamt würde beinahe jeder dritte Befragte (29%) seine Kapazitäten in England zurückschrauben oder seinen Standort verlagern, wenn es zum gefürchteten Brexit kommt. Laut Hochrechnungen der Bertelsmann-Stiftung  könnte er Deutschland satte 300 Milliarden Euro kosten. Hierzulande wäre die Wirtschaft laut Bertelsmann-Experten damit am meisten betroffen.  Hinzu kämen noch die höheren Beitragszahlungen an die EU, wenn England als Mitgliedsland ausfällt.

Grafik_Vorteile_der_EU-MitgliedschaftUnd dann wäre da noch der politische Schaden mit unabsehbaren Konsequenzen, wie es Michael Stürmer von der Welt in seinem Kommentar beschreibt: „Wenn alles noch einmal gut geht, dann hat der britische Premierminister David Cameron Europa einen großen Dienst erwiesen. Wenn es schiefgeht, dann hat er einen nachhaltigen Beitrag geleistet zur Selbstzerstörung Europas.“

Schaut man sich aktuelle Zahlen vom Februar an, so gibt es allerdings nur wenige Länder, die einen Brexit wünschen. Und auch in England stehen die Zeichen aktuell auf „pro Europa“.  Gründe dafür scheint es genug zu geben.

Von Rainer Downar (@RainerDownar)

 

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